Fredis Glosse
Wenn dein Dorf in den Schlagzeilen landet (Hochdeutsch) | 07.04.2026 |
Jetzt, zwei Wochen nachdem die Bombe geplatzt ist, möchte ich noch einmal darauf zurückkommen. Ihr wisst schon. Das eben. Mit Wülfershausen. Mir geht es dabei gar nicht um den Fall an sich. Schlimm genug, das sollen andere aufklären und darüber entscheiden. Aber da sieht man einmal, wie schnell so ein kleines Dorf in unserem beschaulichen Landkreis in die größten Schlagzeilen kommen kann. Bundesweit. Alle waren sie da, wirklich alle: BILD, RTL, SAT.1, Focus-Online, BR-Fernsehen und viele mehr. Und jeder wollte Stimmen hören. Menschen sollten vor die Kamera treten und O-Töne liefern. In einer größeren Stadt hätte man als Reporter vor Ort sicher schnell ein paar Gesprächspartner gefunden. Aber bei uns? Schwierig. Und ehrlich gesagt auch völlig verständlich. Wer möchte sich in so einer Situation schon im Fernsehen sehen und sich reden hören? Was man sagt, ist doch am Ende sowieso falsch. Interessant ist auch, wie sich die Neugier und die Empörung mit zunehmender Entfernung vom Ort des Geschehens keineswegs abschwächen – im Gegenteil! Wenn du als Nachbar aus Hollstadt jemanden aus Wülfershausen triffst: „Was ist denn bei euch los?“ Ein Großwenkheimer (Nachbarlandkreis) zu einem Strahlunger: „Was geht denn bei euch vor sich?“ Ein Wollbacher in Schweinfurt: „Was ist denn bei euch da oben los?“ Und selbst wenn du als Rhön-Grabfelder in Würzburg bist – immer die gleiche Frage: „Was macht ihr denn da für Sachen?“ Ja, wer den Schaden hat… ihr wisst schon. Was ich mir in diesen Tagen der größten Empörung auch gedacht habe: Wie wichtig es für ein Dorf wie Wülfershausen ist, eine Gastwirtschaft zu haben. Du sitzt zu Hause, die ersten Nachrichten über den Skandal kommen herein – und sofort verspürst du dieses Bedürfnis: „Ich muss ins Wirtshaus. Wir müssen reden!“ Das ist doch klar. In so einer Situation ist der persönliche, direkte Austausch Gold wert – und unglaublich wichtig. Die Medien: laut, schnell, zugespitzt. Das Wirtshaus: langsam, direkt, ungefiltert. WhatsApp und all das moderne Zeug sind da viel zu kompliziert – und vor allem viel zu langsam! Im Wirtshaus geht es anders: reden, direkte Gegenrede. Fünf Informationen, Argumente und Gegenargumente in einer Minute. Da haben WhatsApp und Konsorten nicht den Hauch einer Chance. Das Problem in Wülfershausen ist nur: Es gibt zwar eine Gastwirtschaft – die Brückenschänke – aber der Wirt braucht alle Plätze für die vielen Gäste, die etwas essen wollen. Nicht für die Einheimischen, die ihren unseligen Skandal diskutieren und innerlich verarbeiten möchten. Meine Idee zur Abhilfe: Wir führen die Milchsammelstelle wieder ein! Milch würde dort zwar keine mehr abgegeben – aber als innerörtlicher Kommunikationsort wäre es unschlagbar – und von unschätzbarem Wert! Servus, der Eustach. |
|
| << zurück | |