Fredis Glosse
Probefahrten und Gelbwurstscheiben (Hochdeutsch) | 21.04.2026 |
In unserer Sprache gibt es Wörter, deren Definition unstrittig ist und bei denen es keine zwei Meinungen geben kann. „Sofort“ zum Beispiel. Das heißt laut Duden: „Ohne zeitliche Verzögerung, unverzüglich“. Wenn du zu deinem Hund sagst: „Hasso! Sofort her jetzt!“, dann erwartest du, dass sich der Hasso unverzüglich in Bewegung setzt und zu dir kommt. Wenn eine Frau zu ihrem Mann sagt: „Erwin! Sofort die Bierflasche weg!“, dann ist klar, dass der geplagte Mann sein geliebtes Bier praktisch im selben Moment, in dem der Befehl ertönt, wegstellen muss. Umgekehrt in der Wirtschaft: Du bestellst ein Bier und die Bedienung sagt: „Kommt sofort!“ Dann steht es – wenn es nicht gerade ein frisch gezapftes, gepflegtes Pils ist – deutlich schneller als in sieben Minuten vor dir. Politiker und Verwaltungen haben offenbar ein anderes Verständnis vom Wort „sofort“. Die Bundesregierung will jetzt wegen der hohen Spritpreise als „Sofortmaßnahme“ die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer) für zwei Monate um 17 Cent senken. Wobei: Sie hat nicht, sie will. Bei einer Sofortmaßnahme denkt der Normalsterbliche doch: Heute beschlossen, übermorgen ist der Sprit um 17 Cent billiger. Ha ha ha! Am 1. März sind die Preise wegen des unseligen Iran-Kriegs wie eine Rakete nach oben geschossen, und wenn wir Glück haben, greift die jetzt beschlossene Entlastung schon lächerliche acht Wochen später, rund um den 1. Mai. Übertragen auf die Wirtschaft: Du bestellst ein Bier, die Bedienung sagt „Kommt sofort“, und schon zwei Tage später kannst du wiederkommen – und dein Bier steht auf dem Tisch. Ja, es ist ein Kreuz. Ich sage immer: Wenn so etwas wie die derzeitigen Spritpreise passiert, darf man nicht jammern, sondern muss kreativ sein. Ich zum Beispiel mache jetzt jeden Samstag, wenn Besorgungen anstehen, Probefahrten bei drei verschiedenen Autohäusern. Zuerst ein Auto vom Vorndran, und damit zum E-Center nach Münnerstadt zum Einkaufen. Dann ein Auto vom Laudensack, nach Unsleben zum Förster und Pflanzen gekauft. Und schließlich ein Auto vom Kehm, um damit zum Metzger zu fahren und Fleisch und Wurst zu kaufen. Wie ich auf die Idee gekommen bin? Das war doch früher, als die Kinder noch klein waren, schon der Trick: Am Samstagfrüh mit allen vieren in drei verschiedene Metzgereien. Überall ein paar Gelbwurstscheiben bekommen – und die Kinder waren satt! Wie schnell die Politik und die Behörden reagieren können, sieht man jetzt auch in Wülfershausen. Am 24. März ist dort die Wahlfälschung aufgeflogen, und schon am 5. Juli wird neu gewählt! Eine affenartige Geschwindigkeit, bei der einem schwindlig wird! Servus, der Eustach. |
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