Fredis Glosse
Garantie abgelaufen (Hochdeutsch) | 19.05.2026 |
Ich saß neulich bei meinem Hausarzt im Wartezimmer. Habe mich umgeschaut und den Gesprächen zugehört. Und dabei gedacht: Das sieht eigentlich gar nicht mehr aus wie eine Arztpraxis, sondern eher wie die Ersatzteilabteilung bei der BayWa! Der eine muss ein neues Knie bekommen, der andere eine künstliche Hüfte, eine Frau erzählte von neuen Zähnen, eine andere von ihrer Schwiegermutter, die dement ist, ein Dritter soll Stents und Bypässe bekommen. Wenn das so weitergeht, dachte ich, müssen wir alle bald zum TÜV statt zum Arzt! Daheim habe ich dann angefangen zu philosophieren. Warum ist das alles so? Wie lange hat uns der Herrgott überhaupt geplant? Auf wie viele Jahre hat er uns und unsere Konstruktion ausgelegt? Herausgefunden habe ich, dass die Lebenserwartung zur Zeit Christi und noch über viele Jahrhunderte hinweg im Durchschnitt nur zwischen 25 und höchstens 45 Jahren lag. Im Durchschnitt! Da liegt nämlich das Missverständnis. Der niedrige Wert lag fast ausschließlich an der extrem hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit. Jedes zweite Kind starb vor seinem fünften Geburtstag. Andererseits: Wer bei den Erwachsenen das 15. Lebensjahr erreicht hat, hatte gute Chancen, 50 oder gut 60 Jahre alt zu werden. Aber natürlich keine 85, 90, 95 oder gar 100 wie heutzutage. Jetzt nehmen wir einmal an, dass unser Schöpfer – ganz egal, wer das nun gewesen sein mag – uns auf höchstens 70 Jahre ausgelegt hat. Als Allererstes hatte er dabei vermutlich auch die Rentenversicherung im Blick, weil die lumpigen fünf Jahre locker zu bezahlen gewesen wären. Heute bekommen manche Rentner ja länger Rente, als sie gearbeitet haben! Aber das ist ja nur eine finanzielle Betrachtung. Rein biologisch-orthopädisch machen viele Gelenke und Organe die Zeit, die wir länger leben, als es unser Schöpfer geplant hatte, einfach nicht mehr mit! Also: Tausende künstliche Knie, Hüften, Zähne und vieles mehr werden für einen Haufen Geld eingesetzt, und gleichzeitig wird gejammert, dass die Krankenkassen langsam aber sicher vor die Hunde gehen! Und die Demenz? Vergleichen wir unser Gehirn einmal mit einem Computer. Wenn der Speicher voll ist, ist Schluss, und die Speicherkapazität muss erweitert werden. Oder altes Zeug – Ordner, Daten, Dateien – muss gelöscht werden, um Platz zu schaffen. Das geht beim Menschen (noch) nicht. Also vergisst er eine Menge Dinge – meistens die neueren. Das Ältere ist bei Demenzkranken oft erstaunlich lange noch da. Damit es überhaupt irgendwie weitergeht. Damit ich die Kurve kriege: Früher hieß es immer: „Staub bist du, und zu Staub kehrst du zurück.“ Heute schaut der Herrgott in die Urne, sieht Titan, Keramik und Plastik und murmelt bloß: „Könnt ihr vergessen – alles Sondermüll!“ Servus, der Eustach. |
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