Fredis Glosse
BILD, Campino und Co (Hochdeutsch) | 02.06.2026 |
Eine Zeitung wie diese lebt von Schlagzeilen. Sie sind das Erste, was der geneigte Leser sieht. Sie sollen neugierig machen und ihn dazu bringen, den entsprechenden Artikel gefälligst auch zu lesen. Die Main-Post ist darin sicher nicht schlecht, würde aber selbst zugeben, dass sie gegen die BILD-Zeitung keine Chance hat. Ein paar Kostproben gefällig? „Bundeswehr-Soldaten immer dicker – Brauchen wir bald neue Panzer?“ Oder: „Diese Affenhitze – Werden wir jetzt alle Afrikaner?“ Legendär natürlich 2005: „Wir sind Papst!“ Und jetzt ganz neu, weil Campino von den „Toten Hosen“ im stolzen Alter von 63 Jahren noch einmal Vater geworden ist: „Nix tote Hose! Campino wieder Papa!“ Oft lässt man sich – gerade bei uns in Franken – von ganz normalen Schlagzeilen aufgrund der Schreibweise verwirren, obwohl sie eigentlich harmlos sind. Als ich neulich gelesen habe: „Bundestrainer Nagelsmann stellt seinen 26-köpfigen Kader vor“, dachte ich im ersten Moment: „Der hat Nerven! Die WM geht bald los, und der hat nichts Besseres zu tun, als seine missratene Katzenbrut zu präsentieren?!“ War dann doch etwas anderes gemeint. Kürzlich auch: „Rekord: Brite Kenton Cool zum 20. Mal auf dem Mount Everest“ Lächerlich! Zwanzigmal auf dem Mount Everest – aber noch nie mit der Königshöfer Männerwallfahrt in Vierzehnheiligen oder auf unserem Kreuzberg! Dann gibt es noch Schlagzeilen und Überschriften, die ganz normal daherkommen, deren dazugehöriger Artikel sich aber zu einem herrlichen Witz entwickelt. Überschrift: „Selbstfahrende Teslas bringen Schüler und Senioren ans Ziel“ Das wollte ich lesen. Ich zitiere: „Wer auf dem Land wohnt und kein Auto hat, hat es schwer. Wenn dann auch keine Busse fahren, ist man aufgeschmissen. Das ist gerade für Schüler und ältere Menschen ein Problem. Genau diese Personen nimmt ein Pilotprojekt in der Eifel in den Blick. Sie können sich jetzt mit einem selbstfahrenden Tesla kostenlos zur Schule oder zum Arzt bringen lassen. Die Auszubildenden Emilia Fuchs und Lukas Müller steigen an der berufsbildenden Schule in Gerolstein in den Tesla ein.“ So weit, so gut. Ich war ehrlich erstaunt, dass die Technik schon so weit ist, und wollte innerlich schon applaudieren, als ich weiterlas: „Im Auto immer mit dabei ist ein Fahrer, der im Notfall eingreifen kann. In wenigen Fällen griff der Fahrer ein. Einmal zum Beispiel, als das Auto in eine Sackgasse fuhr und auf einem engen Parkplatz wenden wollte …“ Ernüchternd – und gleichzeitig beruhigend. Wir leibhaftigen Menschen werden also doch noch gebraucht. Hoffentlich noch lange … Servus, der Eustach. |
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